René Brix ist Vater, Unternehmer und Bauingenieur. Gemeinsam mit seiner Frau Janina gründete er 2022 die Brix Consult, ein Ingenieurbüro für nachhaltiges Bauen mit mittlerweile 10 Mitarbeitenden in Mannheim. Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule Mittelhessen sammelte er Berufserfahrung im Bauwesen, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.
Im Beruf treibt ihn die Idee an, zukunftsfähiges Bauen konkret und umsetzbar zu gestalten. Privat steht für ihn das gemeinsame Familienleben im Mittelpunkt. Seine liebste Auszeichnung bekam er von seinen Kindern: eine Tasse mit der Aufschrift „Bester Papa der Welt“ – für ihn eine tägliche Erinnerung daran, was im Leben wirklich wichtig ist.
„Mehr Frauen in Führung heißt: bessere Entscheidung für alle“
Was macht dich zum Male Ally?
Mir ist es wichtig, Gleichberechtigung nicht nur zu befürworten, sondern wirklich zu leben. Zu Hause als Vater von zwei kleinen Kindern genauso wie im Beruf.
Unsere Firmengruppe BRIX Group leite ich gemeinsam mit meiner Frau. Wir achten darauf, dass Aufgaben im Team nach Stärken und Interessen verteilt werden, nicht nach Geschlecht. Für mich bedeutet das gelebte Fairness und gegenseitigen Respekt. Dieses Miteinander stärkt uns – als Unternehmen, als Familie und als Paar.
Warum ist unsere Welt ein besserer Ort, wenn Frauen und Männer gleiche Rechte und Chancen haben?
Weil Vielfalt einfach die besseren Entscheidungen hervorbringt – in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wenn Frauen und Männer gleichermaßen mitgestalten, entstehen innovativere Lösungen, stabilere Systeme und ein respektvolleres Miteinander. Gleichberechtigung essenziell für eine stabile und gute Zukunft.
Warum braucht die Immobilienbranche mehr Frauen in Führung?
Weil Bau- und Immobilienprojekte heute komplexer sind als je zuvor. Sie verbinden Ökologie, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung. Frauen bringen oft zusätzliche Perspektiven
ein: Sie denken nachhaltig, vernetzt und stark aus der Nutzerperspektive. Und immerhin sind sie die Hälfte der Menschen, die Gebäude nutzen – dort wo geplant und gebaut wird, müssen ihre Sichtweisen und Lebensrealitäten auch zu 50 % einfließen.
Verantwortung teilen – im Büro wie zu Hause.
Was können Unternehmen dafür tun?
Unternehmen müssen Strukturen schaffen, die Leistung statt Präsenz belohnen. Dazu gehört, unbewusste Bias konsequent zu adressieren, Führungsmodelle flexibler zu gestalten und Karrieren transparent zu machen. Entscheidend ist gezielte Förderung weiblicher Talente, nicht als Sonderprogramm, sondern als Teil strategischer Exzellenz.
Was Politik und Gesellschaft?
Politik kann Gleichstellung nur dann voranbringen, wenn sie strukturelle Voraussetzungen schafft – von verbindlichen Quoten über steuerliche Anreize bis hin zu einer flächendeckend verlässlichen Kinderbetreuung. Gesellschaftlich brauchen wir einen echten Kulturwandel: Rollenbilder müssen sich lösen von Geschlecht und Erwartung, hin zu geteilter Verantwortung in Familie, Beruf und Führung. Vorbilder und sichtbare Diversität sind dabei zentrale Treiber.
Und was kann jede*r einzelne für mehr Frauen in Führung tun?
Jede und jeder kann bei sich selbst beginnen – indem wir unsere eigenen Denkmuster und die Schubladen, in die wir andere schnell stecken, hinterfragen. Genau dort beginnt Diskriminierung. Ebenso wichtig ist, sich der eigenen Privilegien bewusst zu werden – ein Schritt, der vielen Männern schwerfällt, weil Privilegien oft gar nicht als solche erkannt werden. Es geht also um Selbstreflexion, Zuhören und offenen Dialog – im Beruf ebenso wie zu Hause. Gleichstellung entsteht, wenn wir sie im Alltag leben, nicht nur einfordern.
Was tust du ganz konkret, beruflich und privat?
Beruflich achte ich darauf, dass Aufgaben nach Kompetenz und Interesse verteilt werden – nicht nach Lautstärke oder Verfügbarkeit. Wenn jemand nachmittags wegen der Kinder
früher gehen muss, heißt das bei uns nicht, dass die Karriere stagniert. Wir planen Projekte so, dass Flexibilität möglich bleibt.
Privat teilen meine Frau und ich Kindererziehung, Hausarbeit und beruflichen Ehrgeiz wirklich partnerschaftlich. Wenn ich montags koche und sie die Steuer macht, ist das keine Ausnahme, sondern Alltag. Uns ist wichtig, dass unsere Kinder sehen: Erfolg und Familie sind kein Widerspruch – für niemanden.
Wann wurde dir klar, dass wir mehr Frauen in Führung brauchen? Gab es ein persönliches Schlüsselerlebnis?
Das wurde mir klar, als ich bei meinem vorherigen Arbeitgeber war. In den Meetings saßen fast nur Männer, aber viele der besten Ideen zur Nachhaltigkeitsstrategie kamen von Kolleginnen, die nie am Tisch saßen, an dem entschieden wurde.
Ich erinnere mich an eine Situation, in der eine Kollegin ein Konzept ausarbeitete, das später als „Teamleistung“ präsentiert wurde – ohne ihren Namen. Das war der Moment, in dem ich dachte: Wenn Strukturen so etwas zulassen, müssen wir sie ändern.
Der Weg zu mehr Vielfalt in Führungsebenen geht nur gemeinsam. Wie gelingt es, die Männer mit an Bord zu holen?
Indem wir Männer wirklich einbeziehen, statt nur zu appellieren. Ich spreche mit Kollegen über ganz praktische Vorteile: Teams arbeiten besser, Entscheidungen werden runder, die Belastung fairer verteilt. Wenn Männer erleben, dass flexible Modelle auch ihnen mehr Zeit für Familie oder Ehrenamt geben, kippt die Haltung von „Müssen wir?“ zu „Wollen wir!“.
Auch die Zusammenarbeit in gemischten Teams, in denen Männer und Frauen voneinander lernen, wirkt enorm. Wer erlebt, wie Vielfalt Kommunikation, Zusammenarbeit und Ergebnisse verbessert, braucht keine langen Erklärungen mehr. Die Wirkung überzeugt von selbst.
Welchen Tipp oder Gedankenanstoß würdest du als Male Ally gerne anderen Männern geben?
Hinterfrage deine Gewohnheiten – in Job und Familie. Fang an, Aufgaben auf Basis von Stärke zu vergeben, nicht nach Geschlecht. In Runden mit Frauen mehr zuhören als reden und schreite ein, wenn Stereotype Entscheidungen beeinflussen.
Frauen, von denen du Fan bist …?
Meine Frau. Sie führt mit Klarheit und Empathie, jongliert Unternehmertum und Familie mit einer Selbstverständlichkeit, die ich jeden Tag bewundere.
Und dann beeindruckt mich Prof. Dr.-Ing. Kajta Silbe Professorin für Baumangement an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Sie verbindet enorme Fachkompetenz mit Gestaltungswillen und zeigt, dass Nachhaltigkeit in der Baubranche kein Zusatzthema ist, sondern Ausdruck von echter Führungsverantwortung.
Welche Frau wärst du gerne mal für einen Tag?
Katja Silbe. Ich würde gern erleben, wie sie Forschung, Lehre und strategische Verantwortung so souverän verbindet – und wie sie komplexe Themen wie Baumangement und nachhaltiges
Bauen in einfache, überzeugende Sprache übersetzt.
Hast du eine Superheldin fiktiv oder real?
Meine Frau. Sie schafft es, Familie, Beruf und Engagement unter einen Hut zu bringen – mit Humor und ohne sich selbst zu verlieren. Sie trägt zwar kein Superwoman-Cape aber hat für mich
definitiv Superkräfte.
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