Robert Bölke 

Berlin Hyp AG, Bereichsleitung Datenmanagement



Robert Bölke ist Bereichsleiter Datenmanagement bei der gewerblichen Immobilienfinanziererin Berlin Hyp. Zwei von drei Abteilungsleitungen seines Bereichs sind mit Frauen besetzt, eine davon in Teilzeit. Nach seiner ersten Karriere als Offizier in der Bundeswehr, einer Männerwelt, wie er sagt, wechselte er in die etwas weiblichere Finanzwirtschaft und später in die öffentliche Verwaltung und Beratung. Der größte Vorteil gemischt besetzter Runden ist für ihn das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Perspektiven, das zu deutlich besseren Ergebnissen führt.

Robert Bölke, Foto: ©Pepe Lange



„Es geht beim Thema Chancengleichheit nicht darum, den Männern etwas Liebgewonnenes wegzunehmen, sondern die Gesellschaft so weiterzuentwickeln, dass es allen besser geht.“

 

Warum ist unsere Welt ein besserer Ort, wenn Frauen und Männer gleiche Rechte und Chancen haben?

Gleiche Rechte und Chancen führen dazu, dass jeder Mensch seine Möglichkeiten und Fähigkeiten besser nutzen und einbringen kann. Zum Wohle aller. Davon profitiert nicht nur das Individuum, sondern auch die Gesellschaft, wir alle also. Es wäre, ganz einfach gesagt, dumm, nicht darauf hinzuarbeiten. Es geht beim Thema Chancengleichheit nicht darum, den Männern etwas Liebgewonnenes wegzunehmen, sondern die Gesellschaft weiterzuentwickeln, so dass es allen besser geht.

 

Warum braucht die Immobilienbranche mehr Frauen in Führung?

Aus dem gleichen Grund, wie jede Branche sich dafür einsetzen sollte: Weil Frauen nun mal die Hälfte der Gesellschaft ausmachen und deshalb in allen Entscheidungspositionen auch zur Hälfte vertreten sein sollten.

 

„Früher war das Rollenmodell für Familien, dass der Mann für das Geld, die Frau für Familie und Haushalt zuständig ist – heute gibt es viel mehr Lebensmodelle“ 

 

Was können Unternehmen dafür tun?

Bestehende Arbeitsmodelle für Führung sollten flexibler werden, z.B. durch Tandems, um Teilzeit-Arbeitenden mehr Möglichkeiten für Verantwortungsübernahme zu geben. Einige Unternehmen machen gute Erfahrungen damit, die fachliche von der personellen Führung zu lösen. Mit dieser Aufgabenverteilung lassen sich auch größere Teams mit 45 Mitarbeitenden gut in Teilzeit führen, super z.B. für Alleinerziehende und Elternteile mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Bisher gilt in der Arbeitswelt oft noch die ungeschriebene Regel, dass im Management eine 4-Tage-Woche die maximal denkbare Ausnahme ist.

 

Was Politik und Gesellschaft?

Politik und Gesellschaft sollten die Rahmenbedingungen schaffen, damit Frauen wie Männer ihre individuellen Lebensentwürfe umsetzen können. Früher war das Rollenmodell für Familien, dass der Mann für das Geld, die Frau für Familie und Haushalt zuständig ist. Heute soll alles 50:50 geteilt werden, Karriere und Familie. Es gibt aber noch viel mehr Modelle: Eine Frau in Führung kann auch Single oder geschieden sein, einen großen Freundeskreis haben oder statt der Bilderbuch-Familie mit Kindern „nur“ einen Partner oder einen Hund haben. Ebenso wie ein Mann. Ich wünsche mir da mehr offene, Baukasten-artige Ansätze für unterschiedliche Lebensmodelle, die mehr Freiraum für individuelle Bedürfnisse bieten.

 

 

Und was jede*r Einzelne?

Als Mann zum Beispiel die Frauen in der direkten Umgebung privat wie beruflich motivieren, fördern und Mut machen. 

 

„Monokultur führt schnell zur Selbstvergewisserung und dadurch zu Wiederholung von alten Mustern und zu blinden Flecken“

 

Was tust du ganz konkret für mehr Frauen in Führung?

Ich versuche, Frauen bei ihrem ersten Schritt in Führungsverantwortung zu unterstützen. Mit Frauen, die bereits Führungskräfte sind, plane ich die nächsten Schritte. Dies erfolgt meist in Gesprächen, in denen individuelle Entwicklungspläne erarbeitet und reflektiert werden.

 

Wann wurde dir klar, dass wir mehr Frauen in Führung brauchen? Gab es ein persönliches Schlüsselerlebnis?

Im meinem ersten Leben war ich Offizier bei der Bundeswehr mit meist männlichen Vorgesetzten und Vorbildern. In der zweiten Karriere in der Finanzwirtschaft konnte ich dann Frauen als Führungskräfte erleben. Im Vergleich war es nicht besser oder schlechter – wohl aber anders. Schnell merkte ich, dass Besprechungen, Gremien und Entscheidungen perspektivreicher und nachhaltiger wurden, wenn sowohl Männer wie Frauen beteiligt waren. So wurde ich schon früh ein Freund von Diversität, noch bevor die ganze Welt anfing darüber zu sprechen.

 

Monokultur führt schnell zur Selbstvergewisserung und dadurch zu Wiederholung von alten Mustern und zu blinden Flecken. Der effektivste Weg zu mehr Diversität ist für mich – seit zwei Jahrzehnten – mehr Frauen im Management zu etablieren. Zusätzlich sind neben dem Geschlecht in der Führung unterschiedliche Ausbildungen, Studiengänge, Berufsbilder, Lebensentwürfe und Kulturen zu integrieren, denn Diversität endet nicht beim Körper.

 

Der Weg zu mehr Vielfalt in Führungsebenen geht nur gemeinsam. Wie gelingt es, die Männer mit an Bord zu holen?

Männer reagieren oft auf klare Sachargumente, daher wiederhole ich es noch einmal. Das Hauptargument für mehr Vielfalt in den Führungsebenen sind bessere Ergebnisse. Diversität ist also kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck für gute Entscheidungen. Und ja natürlich: Optimale Ergebnisse sind am Anfang nie einfach, denn sie sind keine einfachen Lösungen, langfristig aber die besseren. 

 

Welchen Tipp oder Gedankenanstoß würdest du als Male Ally gerne anderen Männern geben?

Einfach anfangen und loslegen, anstatt nur zu reden oder bei LinkedIn Beiträge für mehr Gleichberechtigung zu liken.

 

Superheldinnen sind für mich die Frauen von Winterfell in Game of Thrones – eigensinnig, ausdauernd und kompromisslos“

 

Frauen, von denen du Fan bist …?

Stefanie Stahl ist Psychologin, Autorin und betreibt einen Podcast, den ich sehr gerne höre. Ansonsten halte ich eher wenig von Fandom, Vorbildern oder Gurus.

 

Welche Frau wärst du gerne mal für einen Tag?

Für einen Tag wäre ich gerne mal meine Frau. Einfach, um die Welt aus ihrer Wahrnehmung zu erleben. So wie in einer dieser üblichen Bodyswitch-Komödien: Anfangs gäbe es viel Chaos, dann witzige wie peinliche Erlebnisse und am Ende natürlich ein Happy End mit vielen Erkenntnissen für das weitere Leben.

 

Hast du eine Superheldin?

Die Frauen von Winterfell in Game of Thrones – eigensinnig, ausdauernd und kompromisslos in der Umsetzung.