F!F NEWS


Simon Kempf, Vorstand DLE Deutsche Landentwicklung und Anais Cosneau, geschäftsführende Gesellschafterin Eike Becker Development

Kitas und Schulen sind zu, Firmen lassen ihre Beschäftigten im Home Office arbeiten, der Corona-Virus zwingt uns alle dazu, den Alltag zu Hause neu zu organisieren. Das birgt auch Chancen – etwa für eine gleichberechtigte Aufteilung von Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit. FRAUEN !N FÜHRUNG fragt berufstätige Väter und Mütter in der Immobilienbranche, wie sie mit der neuen Situation umgehen und sich im Teamplay daheim zwischen Laptop, Handy, Kinderbetreuung, Supermarkt und Hausaufgaben organisieren. 

 

Anaïs Cosneau, geschäftsführende Gesellschafterin bei Eike Becker Development und ihr Mann Simon Kempf, Vorstand bei DLE Deutsche Landentwicklung, sind Eltern von drei kleinen Kindern. Im Interview erzählen sie über ihren Alltag in Corona-Zeiten, Telefonkonferenzen im Wald und ihr erstes digitales Dinner mit Freunden. 

Simon Kempf und Anais Cosneau mit ihren Kindern Henri, Maurice und Johanna

Foto: © Theresa Rundel


F!F: Ihr seid beide Vollzeit berufstätig, habt drei Kinder im Alter von fünf, drei und einem Jahr und arbeitet jetzt im Home Office. Wie organisiert ihr euren Alltag?

 

Anaïs Cosneau: Unsere drei Kinder gehen in Schule, Kita und zur Tagesmutter. Alle drei Einrichtungen haben einen Tag nach dem anderen geschlossen, sodass wir am Montag erst zu dritt „üben" konnten, dann zu viert und seit Mittwoch sind wir alle fünf zu Hause. Es ist eine krasse Zeit, die wir da gerade alle gemeinsam erleben. Natürlich sind wir auch beunruhigt wegen des Viruses und der Konsequenzen, die die Krise mit sich ziehen wird. Gestresst und einsam fühlen wir uns aber nicht. Wir erhalten von Johannas Schule Spielideen, Malvorlagen und Videos mit Liedern zum üben, von Henris Kita jeden Morgen einen Tagesablauf mit neuen Spiel- und Bewegungsideen. So fühlen wir uns nicht total abgeschnitten und die Kinder auch nicht.

Auch haben wir noch Hilfe: Unsere Babysitterin kommt morgens zu uns und betreut die Kinder bis mittags. Danach übernehmen wir. Generell versuchen wir, die Tage so gut es geht zu strukturieren. So haben wir Zeiten festgelegt, in denen gemalt, gebastelt, gesungen wird und Zeiten, in denen gespielt und getobt wird. Wir finden, es ist wichtig, dass die Kinder noch den Unterschied zwischen Arbeitswoche und Wochenende merken. Allerdings sind wir hier zugegebenermaßen noch in der Findungs- und Erprobungsphase. 



 

F!F: Wie sieht aktuell euer Tagesablauf aus?

 

Simon Kempf: Die Kinder wachen in der Regel gegen 6.30 Uhr und 7 Uhr oder früher. Nach dem Anziehen wird zusammen gefrühstückt und danach dürfen die Kleinen entweder die jetzt neue tägliche Sendung mit der Maus sehen oder einfach spielen, bis die Babysitterin kommt. Das heißt für uns Erwachsene, dass wir ab circa 7.30 Uhr schon mal arbeiten können. Das ist viel früher, als wir normalerweise unseren Büroalltag starten und eigentlich ist es toll, dass das Rumgekurve zu den verschiedenen Kitas und ins Büro wegfällt. Zumindest spart das viel Zeit. Wir können dann relativ ungestört bis etwa 12 Uhr arbeiten. Dann kocht einer von uns zusammen mit den Kindern und dann wird gegessen. Danach ist für die Kinder Mittagsschlaf bzw. ausruhen angesagt, was auch einigermaßen gut klappt. Ab circa 14 Uhr dürfen die Kleinen dann wieder spielen oder basteln. Wir haben richtig viele Stickerbücher gekauft, das beschäftigt sie – noch – ganz gut.

 

Nachmittags fahren wir alle zusammen raus in den Wald, wobei wir darauf achten, dass wir keine anderen Leute treffen bzw. ihnen nicht nahe kommen. Das mit dem Wald ist total neu für uns, das haben wir vorher nie gemacht, finden es jetzt aber ganz toll! Im Wald erfinden die Kinder meistens ihre eigene Spiele und finden es total spannend Hütten zu bauen. Hierbei brauchen sie uns gar nicht und dasselbe haben wir auch bei anderen Familien beobachtet. In wirklich großem Abstand baut jede Familie ihre eigene Hütte, in der die Kinder spielen und überall im Wald verteilt laufen einzelne Eltern mit ihren Headsets zwischen den Bäumen herum und telekonferieren. Wir nennen das „Forest Office". Das ist eigentlich ziemlich lustig. Danach geht’s dann nach Hause, Abendessen, Badewanne und ins Bett und wir Erwachsenen können noch die Aufgaben und Mails abarbeiten, für welche wir mehr Ruhe und vor allem keine Unterbrechung brauchen. Also insgesamt klappt das eigentlich ganz gut.

 

F!F: Gibt es Dinge, die ihr echt schwierig findet hinzubekommen?

 

Anaïs Cosneau: Was noch nicht so klappt, ist ein regelmäßiger Morningcall mit unseren Teams sowie ein Moment, in dem wir uns sagen, jetzt ist Feierabend. Quasi das Eintreffen im Büro mit Kaffeeklatsch in der Küche und der Moment in dem man den Laptop runterfährt, einpackt und nach Hause fährt. Und die sozialen Kontakte fehlen natürlich auch. Für Freitagabend haben wir jetzt aber mal ein digitales Dinner per Videokonferenz mit Freunden geplant – wenn sich das bewährt, könnte das auch eine coole neue Routine werden. 



 

F!F: Gibt es eine feste Aufgabenteilung bzw. Absprachen zu Zeiten für Work sowie Haushalt/Kids?

 

Simon Kempf: Wir teilen uns Betreuung und Haushalt auf. Das haben wir aber immer schon so gemacht. Allerdings müssen wir uns jetzt, wo beide im Home Office arbeiten, besser abstimmen und versuchen, wichtige Calls und Telefonkonferenzen nicht in denselben Zeitraum zulegen, sondern bspw. die eine vormittags und der andere nachmittags. Spannend wird es nach der Krise: Welche neuen Routinen werden wir übernehmen, welche fallen wieder weg?

 

F!F: Vielen Dank für eure Antworten.

 


NEWS 08.03.2020

Weltfrauentag: ZDF zeigt Beitrag zur Initiative FRAUEN !N FÜHRUNG

Happy Women's Day allen tollen, starken und engagierten Frauen und den vielen fortschrittlichen Männern, die Frauen im Job oder bei der Familienarbeit unterstützen!  Zum Weltfrauentag zeigt das ZDF einen Beitrag zur Initiative FRAUEN !N FÜHRUNG (F!F) und ihrer Gründerin Anne Tischer. Hier geht's zum Clip: https://www.zdf.de/gesellschaft/sonntags/frauen-gestalten-zukunft-102.html



NEWS 03.03.2020

IREBS-Standpunkt: Männerdomäne immobilienwirtschaftliche Konferenzen

Klaus, Achim, Bernd, Harald, Sören, Karl-Heinz, Michael, Andreas, Sven und Thomas – das sind die Vornamen der Redner und Panelisten einer Immobilienkonferenz aus dem Jahr 2019. Dabei sind etwa 50 % der Studierenden in vielen immobilienwirtschaftlichen Studiengängen Frauen. Warum die Tatsache, dass Wortbeiträge auf Konferenzen überwiegend Männersache sind, weder deren Teilnehmer*innen noch den Frauen noch der Branche gut tut, erläutern Prof. Dr. Tobias Just, Leiter der IREBS Immobilienakademie GmbH und Prof. Dr. Stephanie Birkner von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in ihrem IREBS-Standpunkt. https://lnkd.in/drh6Sjc

NEWS 25.02.2020

Weltweite Studie des Peterson Institute for International Economics:

Ein Frauenanteil im Management von mindestens 30 % geht mit einem 15 % höheren Nettogewinn einher

Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Management sind nicht nur als Arbeitgeber attraktiver für Talente. Sie erzielen auch deutlich höhere Gewinne! Das ist das Ergebnis der weltweiten Studie „Is Gender Diversity Profitable? Evidence from a Global Survey“, für die das renommierte Peterson Institute for International Economics knapp 22.000 Unternehmen in 91 Ländern untersuchte. Konkret beträgt das Ergebnisplus von Unternehmen mit mindestens 30 Prozent Frauen im Management 15 % im Vergleich zu Unternehmen mit reinen Männervorständen. 

Hier geht`s zur Studie: https://lnkd.in/dnkTCD3


NEWS 04.02.2020

Netzwerke und Initiative für Frauenkarrieren in der Immobilienwirtschaft

Die Zeitschrift Immobilienwirtschaft stellt in ihrer Februar-Ausgabe die Netzwerke und Initiativen vor, die die Karrieren von Frauen in der Immobilienwirtschaft voranbringen. Mit dabei: unser Partner, der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft, die Immobilienjunioren als Netzwerk für Young Professionals sowie unsere neu gegründete Initiative FRAUEN IN FÜHRUNG.

Hier der Artikel: https://lnkd.in/dSbkNHQ

 


Wiebke Ankersen UND Christian Berg

GESCHÄFTSFÜHRUNG ALLBRIGHT STIFTUNG


 F!F: Im Gegensatz zur deutschen Immobilienwirtschaft ist die Immobilienbranche in Schweden besonders fortschrittlich was den Anteil von Frauen in Führungspositionen betrifft. Was macht man dort anders? Und wie weiblich sind die Führungsebenen in den schwedischen Immobilienunternehmen? 

 

Wiebke Ankersen: In Schweden wurde im vergangenen Herbst tatsächlich eine erste gläserne Decke gesprengt: Die Immobilienunternehmen an der schwedischen Börse erreichen jetzt einen durchschnittlichen Frauenanteil von 40 Prozent in den Vorständen, in den Aufsichtsräten sind es 37 Prozent. Jeder vierte Vorstandsvorsitz ist mit einer Frau besetzt und es gibt kein einziges Immobilienunternehmen ohne Frau im Vorstand.


Das ist auch in Schweden nicht von allein passiert: 2012 lag der Frauenanteil in den Vorständen noch bei 18 Prozent. Die Branche hat aber sehr bewusst auf Gleichstellung gesetzt. Der letzte Schwung, die 40 Prozent zu erreichen, kam 2017, als vier Vorstandsvorsitzende und die Arbeitgeberorganisation der Immobilienwirtschaft in Zusammenarbeit mit der AllBright Stiftung eine Selbsterklärung unterzeichnet hat, in der sie sich unter anderem auf ein Ziel von mindestens 40 Prozent Frauen für ihre Vorstände festgelegt haben. Das gab sehr Anerkennung in der Presse und hat ja tatsächlich auch zum Erfolg geführt.

 

F!F: Kein einziges der deutschen DAX30-Unternehmen hat 30 Prozent Frauen im Vorstand. Damit liegt Deutschland hinter Industrienationen wie den USA (43 Prozent der Unternehmen haben einen 30-prozentigen Anteil), Großbritannien (33 Prozent), Frankreich (20 Prozent) und Schweden (17 Prozent) zurück. Warum tun sich deutsche Konzerne so schwer damit, Frauen in ihre Vorstände zu berufen?

 

Christian Berg: Die deutschen Unternehmen sind im internationalen Vergleich wenig veränderungsfreudig, die Unternehmenskultur ist unheimlich konservativ. Das gilt für die Digitalisierung ebenso wie für die Erneuerung der Führungsstrukturen mit diverseren Führungsteams. In den angelsächsischen Ländern und in Skandinavien ist die Kultur viel offener für Veränderungen, immer an der Frage orientiert: wie können wir noch besser werden, wie können wir uns weiterentwickeln? Da können deutsche Unternehmen viel lernen – auch, was eine inklusive Unternehmens- und Führungskultur betrifft.

 

F!F: Was raten Sie einem Unternehmen, das mehr Frauen in seine Führungspositionen bringen möchte, aber nicht weiß, wie es dieses Ziel erreichen soll? 

 

Wiebke Ankersen: Die schwedischen Immobilienunternehmen hatten sich in ihrer Selbsterklärung zu vier Maßnahmen verpflichtet, die zur Orientierung dienen können:

 

1. Genaue Analyse des Ist-Zustands 
Das A und O, bevor irgendwelche Maßnahmen beschlossen werden, ist natürlich eine gründliche Analyse: Wo im Unternehmen gibt es zu wenige Frauen und warum? Wo sind sie durch Strukturen benachteiligt? Und wie steht es um eine inklusive Kultur?

 

2. Chancengleichheit als strategisches Ziel mit eigenem Budget
Vielfalt und Chancengleichheit sind ein strategisches Unternehmensziel und müssen konsequent als solches behandelt, budgetiert und mit geeigneten Maßnahmen aktiv umgesetzt werden. 

 

3. Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern
Eine inklusive Kultur entsteht nicht von allein. Schulungen von Führungskräften und Mitarbeitern zu inklusiver Führung, Arbeit in diversen Teams und unbewussten Vorurteilen sind eine wichtige Voraussetzung für eine Kultur, in der jeder sein volles Potential ausschöpfen kann.

 

4. Konkretes Ziel für den Vorstand: mindestens 40 In Vorstand/Geschäftsführung ist es besonders wichtig, einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent zu erreichen. Hier gilt der Leuchtturmeffekt: ein diverses Führungsteam gibt den Ton im Unternehmen vor. 

F!F: Sie sind Partner von FRAUEN !N FÜHRUNG. Warum unterstützen Sie die Initiative? 

 

Wiebke Ankersen: Wir sind eine gemeinnützige deutsch-schwedische Stiftung, die sich für mehr Frauen und Vielfalt in den Führungspositionen der Wirtschaft engagiert. Unsere Aufgabe ist es, Fakten zu präsentieren und ein Bewusstsein für problematische Strukturen zu schaffen. Wir schaffen Öffentlichkeit, wir sensibilisieren und wir fordern von den Unternehmen konkretes Handeln ein. Bei dieser Aufgabe braucht es tatkräftige Mitstreiter und der Ansatz von FRAUEN !N FÜHRUNG, branchenorientiert und gemeinsam mit den Unternehmen messbare Ziele und konkret umsetzbare Strategien zu entwickeln, ist goldrichtig.